„Erst gefeiert, dann gefeuert, verraten und verkauft“

Lieder und Texte von verfolgten jüdischen Künstlern mit Alexander Spemann und Klaus Brantzen
„Die Bilder, die ich in jenen Tagen sah, waren nicht auszuhalten und doch hielten wir sie aus. Wir spielten Musik dazu, ums nackte Überleben. Wir machen in der Hölle Musik“, schrieb der Berliner Jazzmusiker Heinz Jakob „Coco“ Schumann (geb. 1924) in seiner 1997 erschienen Autobiographie „Der Ghetto-Swinger“. Schumann ist einer von zahlreichen jüdischen Künstlern, Musikern und Kabarettisten, die von den Nazis in die Konzentrationslager verschleppt wurden. Nach Theresienstadt, nach Ausschwitz, in die Hölle. In fast allen Konzentrations- und Vernichtungslagern wurde musiziert, spielten Blaskapellen, Swing-Ensembles und ganze Symphonieorchester. Es gab Kabarettabende, Theater und Oper.  Die Ausübenden waren ausschließlich Gefangene, viele von ihnen hatten vor der Deportation zu den angesehensten Künstlerpersönlichkeiten ihrer Heimatländer gehört.
Stimmritze & So
Das Duo „Stimmritze & So“ erinnert in seinem Programm „„Erst gefeiert, dann gefeuert, verraten und verkauft“ am Samstag, den 17. Oktober um 20 Uhr im Theatersaal „Zum Goldenen Ritter“ in Musik und Worten an das Schicksal verfolgter jüdischer Kabarettisten und Musiker in Nazi-Deutschland.  In Theresienstadt, dem „Vorzeigeghetto“ Hitlers, gehörten kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen zur verordneten „Freizeitgestaltung“, mit der die Nazis der Öffentlichkeit und dem Ausland die Illusion einer humanen Behandlung aller deportierten Menschen vortäuschten. Musik und Kunst dort und in den anderen Konzentrationslagern war Zwangsarbeit aber auch Möglichkeit zu Überleben, geistigen Widerstand zu leisten und der Hoffnungslosigkeit für einen Moment zu entfliehen.
„Müde komm ich und verdrossen abends von dem Dienst zurück – Da durchs Tor nur halb geschlossen klingt entzückende Musik“, schrieb Frieda Rosenthal in Theresienstadt. Wie Leo Strauss und der Filmemacher Kurt Gerron gehörte sie zum Kabarett „Karusell“,  dessen Funktion auch war, Neuankömmlingen im Lager die erste Furcht zu nehmen. Von ihnen und anderen Künstlern werden an diesem Abend Lieder und Texte zu hören sein, in denen der freie Geist der Kunst, Ironie und Satire der Ausweglosigkeit trotzten.
Eine Veranstaltung von „Pank & Ratius – kleine bühne budenheim e.V.“
„Stimmritze & So “ das sind der am Mainzer Staatstheater engagierte Tenor Alexander Spemann und der Sänger und Schauspieler Klaus Brantzen. Veranstalter ist „Pank & Ratius – kleine bühne budenheim e.V.“.  „Es ist uns ausgesprochen wichtig, nicht nur als Theaterverein in Erscheinung zu treten, sondern mit Veranstaltungen wie diesen einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten und zur wertebasierten Diskussion anzuregen“, so der Vorstand des Vereins.  Für Interessierte bietet die Musikwissenschaftlerin und Journalistin Michaela Paefgen-Laß um 19.15 Uhr eine Einführung in das Thema „Musik und Kabarett in den Konzentrationslagern“ an.
Karten zum Preis von 12 Euro sind erhältlich bei Schreibwaren Lang,  Bergstraße, Budenheim, Tel.: 06139/5587 sowie über das unten angefügte Bestellformular
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